Freitag 7. November 2008 von admin
Nun ist sie also da, die Finanzkrise und das Urteil der Öffentlichkeit ist schnell gesprochen. Die Gier der Finanzinstitute und ein allgemeines Marktversagen wurden schnell als die Ursachen ausgemacht. Die weltweit geplanten und bereits durchgeführten staatlichen Rettungsmodelle sollen nun die „Karre aus dem Dreck ziehen“.
Doch ist dem wirklich so? Liegen die Ursachen nicht viel tiefer und haben nicht auch die „Retter“ einen Großteil der Schuld an der Misere zu tragen? Wie sonst kann man es sich erklären, dass über alle politischen Grenzen hinweg, innerhalb weniger Tage weltweit Rettungspakete von mehr als 2 Billionen !! Euro zustande kamen. Glaubt wirklich irgend jemand, dass die Politik dazu bereit wäre, wenn sie nicht einen Riesenanteil an dieser Krise hätte? Man kann, ja man muss sogar, das Versagen der Banken anprangern. Es wäre jedoch fatal zu glauben, dass die politischen Führer ohne Schuld wären. Beleuchten wir diese Geschichte doch mal genauer:
Die Finanzkrise entstand aus einer politisch motivierten, US-amerikanischen Immobilienblase. Der Traum vom eigenen Heim stellte schon immer ein Hauptziel der US-Politik dar. In den vergangenen Jahren schien, dank zusätzlicher staatlicher Vorgaben und neuen Finanzierungsinstrumenten der Banken, dieses Ziel zu gelingen. Die nötigen Kredite konnten weltweit, somit auch in Deutschland, beschafft und abgesichert werden. Zwischen 1997 und 2005 verdoppelte sich das Immobilienpreisniveau in den USA. Allein schon wegen der zu erwartenden Wertsteigerungen der Immobilien rechnete sich die Kreditvergabe. Doch, ähnlich wie in einem Schneeballsystem, ist irgendwann ein Ende in Sicht. Die Zinsen begannen zu steigen, Arbeitslosigkeit, Scheidungen und die in den USA üblichen niedrigen Löhne führten dazu, dass die Immobilienbesitzer ihre niedrigen Raten nicht mehr bezahlen konnten.
Verfolgt man heute in den Medien Berichte, wer damals alles Kredite bekommen hat, welche Einkommen zugrunde gelegt wurden und wie sich die Ratenzahlungen darstellten, kann man nur ungläubig mit dem Kopf schütteln. In Deutschland sollte man jedoch mit diesem Kopfschütteln sehr vorsichtig sein, es ist noch nicht allzu lange her, als auch deutsche Banken abenteuerliche Projekte finanzierten (wem fällt da nicht der Name Schreiber ein?) und gerade nach der Wende in den neuen Bundesländern Milliarden DM verbrannten.
Doch zurück zur Politik der verfehlten Immobilienfinanzierungen. Die wegen Ihrer Beteiligung an der weltweiten Geldbeschaffung viel gescholtenen US-Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan-Stanley, Lehmann Brothers usw. sind kein Produkt des normalen Marktes, sondern des in den USA 1933 erlassenen 2. Glass-Steagall-Gesetzes (Erläuterungen zu diesem Gesetz sind separat zu erlesen).
Die beiden größten US-Hypothekenbanken Freddie Mac und Fannie Mae sind staatlich geschützte Immobilienfinanzierungsgesellschaften. Müssig zu erwähnen, daß ein Drittel der Vorstandsposten dieser beiden Banken gemäß der Weisung des US-Präsidenten besetzt werden. Natürlich kann man sich, wenn man als „staatlich geschützter“ Finanzierer auftritt, weltweit Milliarden Dollar problemlos borgen. Da Freddie und Fannie mehr als 50 Prozent der US-Immobilienkredite finanziert hatten konnten sie den Trend, für jetzt ebenfalls in Schieflage geratene Banken, setzen.
Trotz alledem wäre der Traum von der eigenen Immobilie für viele US-Bürger nicht zu realisieren gewesen. Grund: Die übliche Anzahlung von 20 Prozent des Kaufpreises. Und auch hier griff wieder die Politik „helfend“ ein. Seit Mitte der 90er Jahre wurden Freddie und Fannie politisch bedrängt, auch gänzlich auf Anzahlungen zu verzichten und anderen Banken zunehmend Kredite ärmerer Bevölkerungsschichten abzukaufen. Im Gegenzug dafür erhielten Freddie und Fannie wegen der Staatsgarantie sehr günstige Kredite, deren Zinsvorteil sie an die Kunden weitergeben konnten, was ja eigentlich nicht schlecht ist. Die US-Zentralbank senkte bis Mitte 2003 ihren Leitzins auf 1,0 Prozent, eigentlich unvorstellbar, und erleichterte noch zusätzlich eine Kreditaufnahme.
Durch den Community Reinvestment Act wurden US-amerikanische Banken bereits seit 1977 gezwungen, Darlehen auch an eigentlich kreditunwürdige Personen zu vergeben (Antidiskriminierung). Im Jahr 1999 senkte Fannie Mac nochmals diese Voraussetzungen. Zu allem Überfluss verführt das US-Steuerrecht geradezu Immobilienkredite aufzunehmen, da Kreditzinsen für selbstgenutztes Wohneigentum von der Einkommenssteuer abgesetzt werden können, in Deutschland und auch international absolut undenkbar.
Nimmt man alle Faktoren zusammen kann man nur zu dem Schluss kommen, dass diese regelrechte Aufforderung zur „Kreditparty“ definitiv von der Politik kam. Banken und Kunden sind dieser Aufforderung bedenkenlos gefolgt. Es erscheint geradezu lächerlich, wenn man sieht, dass ausgerechnet jene, welche die in Deutschland besonders betroffenen Banken (Bayern LB, Sachsen LB und IKB) eigentlich beaufsichtigen sollten, jetzt neue politische Regulierungen auf den Weg bringen. Politische Misswirtschaft und unsägliche Gier haben sich gesucht und gefunden. Ausbaden müssen es, wie so oft, die Kleinen. Hat mal irgendjemand den Rentner gefragt, ob er seine letzten Ersparnisse, welche er in, von seinem „Bankberater“ empfohlene, Lehman-Zertifikate gesteckt hat, wiederhaben möchte? Uns ist kein Fall bekannt.